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Freie Software - die Hefe für die Innovation

Kinder sind von Natur aus neugierig und entwickeln spielerisch ihre Kreativität - und so werden aus Alltagsgegenständen ganz fix Mama, Papa & Kind oder Mondlandebasen. Diese Phantasie zu wecken, sollte das Ziel ihrer Eltern und Lehrer sein. Spielzeug, das mit hunderterlei Funktionen und womöglich gar noch Ton, Bild und Video daherkommt, wird diesem Anspruch nicht gerecht. Die kindliche Phantasie wird von der Perfektion regelrecht "erschlagen". In der Sprache der Waldorf-Pädagogik liest sich das so: "Das natürlich Einfache und Ursprüngliche, auch in Form von Spielzeugen, regt die phantasievolle Eigentätigkeit bedeutend besser an als die technisch perfekte Umgebung."


Ähnliche Prinzipien gelten vermutlich auch für den EDV Untericht: Der Schüler sollte verstehen, wie ein Computer funktioniert. Das Detailwissen, welche Funktion hinter welchem Icon verborgen ist, ist nachrangig. Viel wichtiger scheint es zu sein, daß der Schüler erlernt, deren Sinn oder Unsinn zu erkennen, es auf seine persönlichen Bedürfnisse anzupassen, eigene Funktionen zu schreiben oder gar selbst eigene Programme zu entwickeln und diese zur Kooperation mit anderen Programmen zu bewegen. Das geht aber am besten auf Basis Freier Software.


Schnellere Fehlerbehebung, Rechtssicherheit und der Kostenfaktor waren für das Österreichische Gymnasium Rechte Kremszeile ausschlaggebend, um ab nächstem Schuljahr ausschließlich auf Freie Software zu setzen. Derzeit wird ein "auf Debian basierendes Live-/Install-System mit minimalen Systemanforderungen" (so Projektinitiator Rene Schwarzinger) speziell auf die Bedürfnisse dieser Schule zugeschnitten und soll dann - völlig legal - an Schüler und Eltern “verteilt” werden - ein Graus für diejenigen, die den geistigen Irrtum - aka “geistiges Eigentum - zum Fetisch erhoben haben. Schwarzinger's Bruder Christian beschreibt sehr schön, wie im Osten Österreichs künftig kooperativ gelernt werden kann.


Die Österreicher sind aber keineswegs die Ersten, die neue Wege gehen. Erfahrung hat man zum Beispiel im italienischen Bozen gesammelt: "Free Upgrade Southtyrol's Schools (FUSS) ist ein vom Europäischen Sozialfonds finanziertes Projekt, das die Informatiksysteme aller italienischsprachigen Schulen der Autonomen Provinz Bozen aktualisiert hat. Herstellerspezifische Software ist mit der freien Distribution von GNU/Linux FUSS Soledad ersetzt worden, die innerhalb des Projektes entwickelt und mit freier Lizenz (GNU GPL - GNU General Public License) ausgestellt worden ist."


Jenseits von Technik und Lizenzen scheint der Aufbruch für Südtirol auch eine kulturelle Bedeutung zu haben: "Gemäß dieser Entscheidung wird die Software, die an den Schulen verwendet wird, an Schüler, Lehrer und Familien verteilt, um auf diese Weise einen kulturellen Zugang zur Informatik zu schaffen, der auf teilen und verbreiten des Wissens aller basiert." - "Wissen teilen und verbreiten" - nicht umsonst wurde Freie Software von der UNESCO als Teil des Weltkulturerbes anerkannt; - was für eine souveräne Geisteshaltung im Vergleich zu der von so einigen Industrielobbyisten.


Die Extremadura ist eine der 17 autonomen Gemeinschaften von Spanien. Und die Extremadura ist ein weltweites Vorbild: Denn hier wurde zum ersten Mal die Entwicklung Freier Software mit regionalem Kulturbezug gefördert - So glaubt man jedenfalls in der Spanischen Provinz. GNU/Linex heißt das Ergebnis und basiert auf Debian mit Gnome-Oberfläche. Die Ergebnisse dieser Förderung jedenfalls können sich sehen lassen: 200.000 Schüler und ihre Lehrer haben 80.000 Rechner mit Freier Software zur Verfügung und sind untereinander vernetzt, in der öffentlichen Verwaltung stehen weitere 70.000 Computer, Hinzu kommen öffentliche Bibliotheken, der TÜV, das Gesundheitswesen und öffentliche Computerterminals bis ins letzte Dorf. 820.000 Anwender wurden seit 1998 im Umgang mit Freier Software geschult.


1998 war das Schicksalsjahr, in dem das damalige "Armenhaus" Spaniens die Grundsatzentscheidung fällte, den Anschluß ans Informationszeitalter zu finden. Inzwischen sind die Extremaduren überzeugt, das Richtige getan zu haben: Hätten sie das gleiche Ergebnis in den Schulen mit proprietärer Software erzielen wollen, hätten sie 30 Millionen Euro mehr ausgeben müssen, 60 Millionen sind auf diese Weise in der gesamten Verwaltung gespart worden - und - zu allem Überfluß wäre dieses Geld vermutlich auf ausländische Konten geflossen, stünde also der regionalen Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Tatsächlich hat ein Mittelständler aus der Region das Geschäft gemacht. Die Arbeitslosigkeit in der Provinz hat sich zwischen 1998 und 2006 von 22 Prozent auf 14 Prozent reduziert. Die Schüler benutzen zu Hause und später im Beruf die gleiche Software, die sie früher schon erlernt haben. Und über Nacht nutzt die europäische Organisation für die Kernforschung (CERN) die Kraft der 80.000 vernetzten Schulcomputer in 800 Schulen.


"Vernetzen" scheint überhaupt ein wichtiges Stichwort zu sein: Es sei wichtig, im Moment Verbindungen und Kontakte zwischen den Partnern herzustellen, um die "Innovation durch Teilung" zu forcieren. Das war der Grund für die Entwicklung des "Iberoamerican Network for Free Knowledge". Unter dieser Überschrift könnte auch die Kooperation mit Skolelinux stehen: Die in Norwegen gestartete Entwicklung ist heute die Debian-Edu Distribution. GNU/Linex wird sich diesem internationalen Projekt in 2008 anschließen.


In Deutschland werden erste Gehversuche Richtung Freiheit von der Baden Württembergischen Landesregierung auf Basis von Knoppix unterstützt: Musterlösung Linux" (ML) heißt das im Amtsdeutsch. Nach Angaben von Kurt Gramlich, Koordinator von Skolelinux Deutschland wechselt ML auf Skolelinux: "Es wäre hier sehr wünschenswert, wenn die Kräfte gebündelt werden könnten. Noch immer beruht die Verbreitung von Skolelinux auf einzelnen Menschen, meist Lehrern, die den Mut haben, die Umstellung zu wagen. Auch Schüler entfalten vereinzelt genügend Überzeugungspotential, um Klassenräume auf Skolelinux umzustellen. Was fehlt, ist eine regionale Einheit, die als Musterregion komplett umsteigt, zum Beispiel so etwas wie eine sächsische Musterlösung."


Kooperation und Teilhabe sind für das EU geförderte Projekt SELF ("Science, Education and Learning in Freedom") wichtig: SELF strebt nicht weniger an, als das Wikipedia für Software-Lehrer und -Lernende zu werden: Egal, ob es sich um eine Lehrerin oder einen Schüler in der Ausbildung zum Bürokaufmann in Deutschland oder das Informatik-Studium in Asien handelt - alle Beteiligte sollen mit "SELF" eine zuverlässige Quelle für neues Wissen, eine Fundgrube fürs Lernen rings um Freie Software und Offene Standards assoziieren. SELF wird eine Plattform zur gemeinschaftlichen Entwicklung von Lernmaterialien zur Verfügung stellen, die von jedermann weltweit genutzt werden kann. In wenigen Wochen wird die erste Version der Plattform von der SELF Internetseite aus erreichbar sein. Und natürlich können sich alle Beteiligten sicher sein: Überall wo "SELF" draufsteht, ist auch "SELF" drinnen - will sagen: Die Inhalte stehen unter einer Freien Lizenz; keiner macht sich strafbar, weil er Software kopiert oder seinen Mitmenschen in anderer Weise hilft.


Auch in Punkto Handhabung steht dem Einsatz Freier Software heute nichts mehr im Wege: Auf Betriebssystem Ebene konkurrieren Edubuntu, Fedora, Mandriva, OpenSuse und Skolelinux nicht nur gegeneinander, sondern können durchaus auch mit proprietären Systemen in Punkto Bedienungsfreundlichkeit mithalten. Das Handelsblatt kam vor wenigen Wochen zu diesem "Fazit: Angst vor (GNU)/Linux muss heute keiner mehr haben. Im Gegenteil, gerade ältere Rechner erwachen zu neuem Leben als Homeoffice oder Familien-E-Mail-Maschine. Da wird (GNU)/Linux zur ersten Wahl."

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