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elektronische Gesundheitskarte: "Eine akute Gefahr für die Gesellschaft"

Sehr geehrter Herr Reppesgaard,

Ihren Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Allerdings ist mir aufgefallen, daß Sie an einigen Stellen die Euphorie der beteiligten Protagonisten recht kritiklos übernommen haben: So ist der Titel beispielsweise nicht allein sprachlich fragwürdig (Das Optimum ist ein Zustand und kein Vorgang!), sondern er suggeriert noch dazu, daß es um die eGK kaum besser bestellt sein könnte. Im weiteren Verlauf reißt die Begeisterung über die eGK nicht im Mindesten ab. Das läßt mich nicht allein an der Qualität des Beitrags, sondern auch an der journalistischen Distanz zweifeln.

Bei den Ärzten jedenfalls scheint diese die Begeisterung mittlerweile merklich abgekühlt zu sein. Nach Angaben von Heise.de haben "die KV Bremen und die Bremer Ärztekammer sowie der Bremer Apothekerverein" die entsprechenden Verträge gekündigt. In einem Brief schreibt die KV Bremen:

"Die jetzt verfügbare Musterlösung zeigt im Moment eindrucksvoll, dass der Umgang mit der eGK umständlich bis gar nicht funktioniert. Zu erwarten steht in jedem Fall ein bürokratischer Aufwand, der in ganz erheblichem Maß von den am Test beteiligten Ärzten geleistet werden muss. Sie ist damit keine Muster- sondern eine Pseudo-Lösung."


Ebenfalls noch 2006 hat sich die KV Hessen einstimmig (!) gegen die Einführung der Karte ausgesprochen. Vor einem Monat sind deren Kollegen aus Thüringen gefolgt. In einer Resolution heißt es:

"Die geplante Speicherung sensibler persönlicher Daten in zentralen Datenbanken stellt eine äußerst ernst zu nehmende Gefahr der informationellen Selbstbestimmung der Bürger unseres Landes dar. Wir weigern uns, diese Gefährdung unserer demokratischen Gesellschaft mitzutragen."

Angesichts dieser massiven Vorwürfe erübrigt sich die weitere Diskussion Ihrer Lobhudeleien auf die technischen Details - wenn sich in den nächsten Monaten der Groll aus den Arztpraxen und Apotheken entlädt, wird sich zeigen, wieviel von dieser "Innovation" übrig bleibt.

Ich bin seit 17 überzeugter Handelsblatt-Leser. In dieser Zeit habe ich diese Zeitung nicht nur wegen ihrer Vielfalt, sondern vor allem auch auf Grund ihrer unbestechlichen Berichterstattung schätzen gelernt.

Ihr Beitrag wird mir sicherlich im Gedächtnis bleiben - allerdings nicht wegen seines investigativen Charakters. Sollten Sie wieder einmal über Themen berichten, die die Freiheit in der Informationsgesellschaft so fundamental betreffen, möchte ich Sie herzlich einladen, sich noch vielfältiger zu informieren. Wir helfen Ihnen gerne dabei.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Jakobs

(In Auszügen veröffentlicht in: Handelsblatt Nr. 59, 23./24./25. März 2007) 

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