elektronische Gesundheitskarte: "Eine akute Gefahr für die Gesellschaft"
jj
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Friday 23 March 2007
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Sehr geehrter Herr Reppesgaard,
Ihren
Artikel
habe ich mit Interesse gelesen. Allerdings ist mir aufgefallen, daß
Sie an einigen Stellen die Euphorie der beteiligten Protagonisten
recht kritiklos übernommen haben: So ist der Titel
beispielsweise nicht allein sprachlich fragwürdig (Das Optimum
ist ein Zustand und kein Vorgang!), sondern er suggeriert noch dazu,
daß es um die eGK kaum besser bestellt sein könnte. Im
weiteren Verlauf reißt die Begeisterung über die eGK nicht
im Mindesten ab. Das läßt mich nicht allein an der
Qualität des Beitrags, sondern auch an der journalistischen
Distanz zweifeln.
Bei den Ärzten jedenfalls scheint
diese die Begeisterung mittlerweile merklich abgekühlt zu sein.
Nach Angaben
von Heise.de haben "die KV Bremen und die Bremer Ärztekammer
sowie der Bremer Apothekerverein" die entsprechenden Verträge
gekündigt. In einem Brief
schreibt die KV Bremen:
"Die
jetzt verfügbare Musterlösung zeigt im Moment
eindrucksvoll, dass der Umgang
mit der eGK umständlich bis gar nicht funktioniert. Zu erwarten
steht in
jedem Fall ein bürokratischer Aufwand, der in ganz erheblichem
Maß von den am
Test beteiligten Ärzten geleistet werden muss. Sie ist damit
keine Muster- sondern
eine Pseudo-Lösung."
Ebenfalls noch 2006 hat sich
die KV Hessen einstimmig (!) gegen die Einführung der Karte
ausgesprochen.
Vor einem Monat sind deren Kollegen aus Thüringen gefolgt. In
einer Resolution
heißt es:
"Die
geplante Speicherung sensibler persönlicher Daten in zentralen
Datenbanken
stellt eine äußerst ernst zu nehmende Gefahr der
informationellen Selbstbestimmung
der Bürger unseres Landes dar. Wir weigern uns, diese Gefährdung
unserer demokratischen Gesellschaft mitzutragen."
Angesichts
dieser massiven Vorwürfe erübrigt sich die weitere
Diskussion Ihrer Lobhudeleien auf die technischen Details - wenn sich
in den nächsten Monaten der Groll aus den Arztpraxen und
Apotheken entlädt, wird sich zeigen, wieviel von dieser
"Innovation" übrig bleibt.
Ich bin seit 17
überzeugter Handelsblatt-Leser. In dieser Zeit habe ich diese
Zeitung nicht nur wegen ihrer Vielfalt, sondern vor allem auch auf
Grund ihrer unbestechlichen Berichterstattung schätzen gelernt.
Ihr Beitrag wird mir sicherlich im Gedächtnis bleiben -
allerdings nicht wegen seines investigativen Charakters. Sollten Sie
wieder einmal über Themen berichten, die die Freiheit in der
Informationsgesellschaft so fundamental betreffen, möchte ich
Sie herzlich einladen, sich noch vielfältiger zu informieren.
Wir helfen Ihnen gerne dabei.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim
Jakobs
(In Auszügen veröffentlicht in: Handelsblatt Nr. 59, 23./24./25. März 2007)
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