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Digitale Presse(un)freiheit

Flexibilität ist Trumpf für den Journalisten im Informationszeitalter: Nicht nur, daß Texte immer wieder für verschiedene Zielgruppen neu aufbereitet werden müssen, nein sie müssen sich auch beliebig mit Audio- und Videoelementen kombinieren lassen. 'Cross Media Publishing' heißt das im Jargon. Und das muß natürlich unter maximalem Zeitdruck funktionieren.

Aber der Branche droht Ungemach: Im Frühjahr berichtete der "Journalist" über eine Technik von Microsoft, die in China eingesetzt wird, um in Weblogs das Speichern von Texten mit Begriffen wie "Demokratie" oder "Freiheit" zu verhindern. Bereits heute setzen Unternehmen wie die Deutsche Post Software ein, die Kundenreklamationen per "künstlicher Intelligenz" automatisch bearbeitet. Warum also sollte es nicht möglich sein, das Speichern von kritischen Unternehmensberichten zu verhindern? Es gibt sicher viele Unternehmen, die dafür Geld ausgeben würden.

Microsoft will im November mit dem Verkauf seines Musikspielers Zune beginnen. Und Zune kommt mit Kopierschutz für gekaufte Inhalte daher. Nun ist es offenbar auch möglich, daß selbst Erstelltes in dem Datentresor landet. Nur ob von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, da widerspricht sich der Konzern derzeit selbst. Allein die technische Möglichkeit aber sollte Journalisten beunruhigen: Müssen Journalisten künftig dafür bezahlen, daß sie mit selbst erstelltem Material weiterarbeiten dürfen?

Und es gibt mehr Beispiele, die Anlaß zum Nachdenken bieten: Demnächst wird Microsoft mit dem Verkauf seines neuen Betriebssystems Windows Vista beginnen. Der Softwarekonzern Symantec ist darüber besorgt, daß sich unter Vista keine Firewall von Symantec installieren läßt. Welche Software dürfen Journalisten künftig noch benutzen?

Der Fachdienst heise.de berichtete im Frühjahr, daß digitale Hollywood-Streifen bestimmte DVD Laufwerke funktionsuntüchtig machen können. Was bedeutet das für den hektischen Alltagsbetrieb eines Fernsehsenders? Genauso läßt sich verhindern, daß eine bestimmte digitale Kamera Filme auf einen PC überträgt, wenn sie beispielsweise unter einem "falschen" Betriebssystem läuft.

Fachleute sprechen bei Technik dieser Art von "Digitalem Restriktionsmanagement" (DRM). Die wissenschaftliche "Gesellschaft für Informatik e.V." stellt in einem Bericht fest: "Sollte sich DRM am Markt durchsetzen, verliert der Anwender die Kontrolle über seinen Computer".

Und aus dem Hause Disney heißt es: „Wenn die Anwender auch nur wüssten, daß es DRM gibt, was es tut und wie es funktioniert, hätten wir schon verloren!" Schöne Aussichten für die Pressefreiheit.

Und die Politik? Da heißt es "Das Umgehen von technischen Kopierschutzmaßnahmen ist strafbar". Was macht also ein Abgeordneter, der seine eigenen Daten eines schönen Tages nicht mehr aus dem Datentresor bekommt? Was machen Journalisten, die ihre Archive nicht mehr öffnen können?

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