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JJ's Blog

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Onlinedurchsuchung - Freiheit für Keinen?

Freiheit für keinen?

Georg Paul Hefty ist in "Neu nachdenken" in der FAZ vom 10. September der Meinung, es sei angesichts des Terrorismus erträglich, die Freiheit der Bürger per Bundestrojaner einzuschränken. Wie so viele fällt er damit dem Schäubleschem Populismus anheim: Schäuble verschweigt der Öffentlichkeit, dass seine Onlinedurchsuchung unsichere Softwaresysteme voraussetzt. Nun ist beispielsweise das Auswärtige Amt sehr stolz darauf, dass seine komplexen IT-Systeme auf der Basis Freier Software im Inland wie auch in den zahlreichen Botschaften nicht von chinesischen Gaunern ausgespäht werden konnten. Wenn es aber die Chinesen nicht können, kann es Schäuble auch nicht. Das bedeutet: Der Staat unterliegt einem Zielkonflikt - entweder Freiheit für alle oder für keinen. Sollte sich nun der Staat für Letzteres entschließen, müsste er wohl freie Software generell und im Speziellen jegliche Art von Verschlüsselungswerkzeugen verbieten. Das allerdings wird nicht nur dem Auswärtigen Amt, sondern auch der deutschen Wirtschaft schaden, die permanent mit Industriespionage zu kämpfen hat. Hinzu kommt: Die Terroristen von heute können nicht nur mit Sprengstoffen gut umgehen, sondern haben häufig - wie beispielsweise die Attentäter vom 11. September - ein technisches Studium absolviert. Sie sind insofern im Umgang mit Software gut gerüstet, wissen also genau, wie sie entsprechende Fallen umgehen.

Es wirkt, als ob Schäuble den Terrorismus als Vehikel benutzt, um die breite Masse des Volkes auszuspähen. Zusätzliche Sicherheit jedenfalls wird er so nicht erreichen.

Joachim Jakobs, Free Software
Foundation Europe, Düsseldorf


veröffentlicht in F.A.Z., 12.10.2007, Nr. 237 / Seite 13

Chinesen müssen Hackerparagraphen achten!

Lieber Herr Dr. Schäuble,

seit Monaten rätseln die Menschen mit informationstechnischem Sachverstand (zu denen Sie ja offenbar nach eigener Aussage nicht gehören) inzwischen, wie das da jetzt genau mit der Online-Durchsuchung funktionieren soll. Angesichts der erheblichen Probleme legt Ihr Haus offenbar ein sicherheitstechnisches Sendepäuschen ein, und das ist gut so. - Wenigstens solange, bis alle technischen Fragen einwandfrei geklärt sind.


Immerhin eine Frage ist seit gestern geklärt: Sie unterliegen offenbar dem Irrtum, daß alle Rechner in diesem Land derart schlecht gesichert sind, wie “zahlreiche Computer in Bundesministerien” (so der Spiegel), die von China aus mit Spionageprogrammen infiziert wurden. Wenigstens scheint es, als ob die Bundesrepublik Glück im Unglück hatte: Der Abfluß von 160 Gigabyte Daten konnte verhindert werden. Wie groß der nicht zu verhindernde Abfluß war, wurde allerdings nicht mitgeteilt.


Was die Frage der Sicherheit auf Anwendungsrechnern angeht, so kann ich kann Ihnen versichern: Es gibt noch sichere Computer als die der Bundesregierung und auf einigen Computern in diesem Land ist seit Jahren noch Freie Software installiert - gerade GNU/Linux steht in dem Geruch, weniger anfällig für digitales Ungeziefer zu sein wie das proprietäre Windows. Die neueren Versionen einer Reihe von GNU/Linux-Distributionen sind sogar mit Unterstützung des US-Amerikanischen Nachrichtendienstes NSA gehärtet worden.


Aber selbst für eingefleischte Windows-Nutzer besteht Hoffnung und die heißt “BOSS” - eine Freie Software zur “Sicherheitsüberprüfung von Systemen in Netzwerken”, wie Wikipedia weiß. Übrigens: BOSS wird von Ihrem “outgesourcten” Sachverstand im BSI zur Verfügung gestellt. (Apropos BSI: Bis heute Abend 18.00 können Sie sich  richtig im realen Leben informieren. Das Bundesinnenministerium hat nämlich Tag der Offenen Tür und das BSI stellt sich da auch vor. Vielleicht wäre das ja mal ein spannendes Ereignis - Aktionismus trifft auf Sachverstand!) Richtig dumm ist natürlich, daß die Bundesregierung qua “Hackerparagraphen” keine Sicherheitsberater mehr beauftragen darf, um die digitalen Löcher im elektronischen Rückgrat der Bundesrepublik zu stopfen. Und noch dümmer, daß die chinesische Regierung offenbar keinerlei Respekt vor diesem Hackerparagraphen hat. Frau Merkel sollte diesen Respekt bei ihrem Besuch  in China dieser Tage kompromißlos einfordern.


Mit freundlichen Grüßen


Joachim Jakobs


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